>> Unsere Australian Shepherds <<

Unsere Australian Shepherds
..und wie wir sie in unserem Betrieb einsetzen
von S. Zilch (Rundschreiben Nr. 3-2003, Arbeitsgemeinschaft Boder Collie Deutschland e.V.)


JJ's Bitch STDdsc DNA-CP, "Page"

Wir leben im Norden von Bayern, ganz Nahe der Hessischen Grenze, bei Aschaffenburg. Wir, das sind Sandra und Lorenz Zilch. Wir führen einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Pferdehaltung, Pferdetraining, Charolais- und Merino-Zucht.

Ursprünglich war mein erster Australian Shepherd, Leo „nur“ mein Begleithund. Ich studierte Geografie an der Uni Würzburg und Leo war immer da, wo ich war. Als ich 1996 Lorenz Zilch kennenlernte, einen bekannten und erfolgreichen Westernreiter und –trainer, dauerte es nicht lange und der elterliche Hof, den er vor kurzem übernommen hatte wurde auch mein und Leo´s zu Hause.

So begann alles....

Auf dem Hof gab es bereits Charolais-Mutterkühe. Im Sommer, wenn die Kühe mit den Kälbern und dem Bullen auf der Weide standen, war etwa alle vier bis fünf Tage Umtreiben angesagt, denn unsere Weideflächen liegen nicht beieinander und die Wege sind zum Teil recht weit. Nun kann man sich vorstellen, dass es sehr schwierig und mit VIEL Laufarbeit verbunden ist, Kühe ohne Hund von Koppel zu Koppel zu bringen. Man braucht auch relativ viele Helfer dafür. Und wenn die Tiere nicht wollen, wie sie sollen, dann sind sie doch verschwunden....Kühe können sehr schnell werden.

Einmal hatte ich bei so einer Aktion auch Leo mit dabei. Meine Schwiegermutter war nicht begeistert. Sie war der Ansicht, dass der Hund nur stört, verletzt würde, vor allem aber die Kühe scheu machen würde. Nun ja, Leo war dabei und lief neben mir her.... bis eines der Kälber ausbrach und munter die „falsche“ Wiese langgaloppierte. Leo scherte aus, lief vor das Kalb, stoppte und wendete es und es lief wieder zur Herde zurück. Wow! „Hast Du das gesehen?“ fragte ich Lorenz. ... Ich begann nachzudenken:


Deep Blue Heaven in May STDs DNA-CP, "May," Tochter von "Leo"

Eigentlich hast Du ja eine Hütehund-Rasse, scheinbar (und zufällig, denn als ich Leo kaufte, machte ich mir keine Gedanken um sein Potential als Hütehund) auch ein Exemplar, das instinktiv weiß um was es geht (denn Kommandos geben konnte ich ihm natürlich noch nicht). Und so kam es, dass ich mich mit dem Thema „Australian Shepherd als Arbeitshund auf unserer >Farm<“ intensiv auseinandersetzte. Ich begann mich über die verschiedenen Blutlinien zu informieren, diejenigen ausfindig zu machen, die noch reine „Arbeitslinien“ züchten (gar nicht SO viele, auch in den USA nicht) und vor allem auch auf den Ranches einsetzen. So kam ich zu meiner roten Hündin Yuma und ein Jahr später zu ihrer Schwester Page. Ihre Mutter war tragend nach Holland importiert worden.


LZ Yuma McCain STDs DNA-CP, "Yuma"

JJ's Bitch STDdsc DNA-CP, "Page"

Im September 2001 flog ich dann zum ersten mal in die USA. Auf die Australian Shepherd Nationals, in diesem Jahr in Greely, Colorado. Diese Veranstaltung ermittelt sozusagen die nationalen Champions in allen Bereichen: Conformation, Obedience, Agility, usw., und eben auch im „Herding“. Jetzt sah ich zum ersten mal wirklich gute Hunde und Handler, Rinder, Schafe und Enten hüten! Ich war beeindruckt und saß wirklich eine Woche lang von morgens bis abends in der Trial-Arena.

Wieder zu Hause, nahm ich Kontakt auf mit verschiedenen Züchtern. Ich suchte einen Rüden, der zu meinen Hündinnen paßte. Nach langem Warten konnte ich dann im Februar 2002 meinen Rüden „Solo“ in Texas abholen. (Mein Mann verliebte sich in eine kleine Red Merle Hündin und so kamen wir mit zwei Hunden heim!). Mittlerweile gehören auch noch „Rufus“ (aus Canada) und „Dodger“ (ebenfalls aus Texas) zu unserem Rudel. Alle Hunde stammen von Eltern, die eine lange Ahnenreihe von Arbeitshunden vorzuweisen haben. Ich habe viele Verwandte und Geschwister unserer Hunde arbeiten sehen.

Für das Training der jungen Hunde haben wir uns Schafe gekauft. Mittlerweile ist diese Herde auf zwanzig Mutterschafe angewachsen. Jeweils ein Hund bringt sie morgens auf die Koppel und abends wieder in den Stall.

Die Hunde helfen auch beim Füttern. Sie halten die Schafe und auch die Kühe vom Trog weg, solange, bis wir saubergemacht und Futter hineingeschüttet haben. Wenn Lorenz in einem der Kuhställe das Tor aufmacht, um einen neuen Ballen Heu oder Silage reinzufahren, dann steht mindestens einer der Hunde am Eingang und wehrt die Kühe ab, die rauslaufen wollen. Vor allem Page ist Spezialistin dafür, dann auf den Ballen zu springen und die Kühe solange vom Fressen abzuhalten, bis Lorenz das Netz entfernt hat. Und natürlich treiben wir unsere Mutterkuhherde mittlerweile allein (Lorenz und ich) mit einem Hund um.

Klar, das geht nicht immer alles perfekt, aber wir lernen!

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Deep Blue Heaven in May STDs DNA-CP, "May"

Wir bemühen uns, ein bis zwei mal im Jahr gute Trainer aus den USA für Hütekurse zu engagieren. Wir stellen uns und unsere Schafe zur Verfügung, um anderen Aussie Besitzern einen Einblick in das Hüten mit dem Aussie zu geben.

Bei den Seminaren helfen meine Hunde Schafe zu sortieren, in die Arena und wieder in den Stall zu bringen, wenn wir sie auswechseln.

Besonders schätzen wir, dass durch die Gegenwart der Hunde, die Arbeit mit den Tieren so viel leichter geworden ist. Manche Dinge könnten wir uns gar nicht mehr ohne Hunde vorstellen. So ist es manchmal als ob die Hunde gar nicht nötig wären. Wenn zum Beispiel ein Anruf kommt, dass unsere Kühe ausgebrochen sind (was eigentlich immer ein paar mal während des Sommers passiert), dann bewegen sich die Kühe oft schon in Richtung Koppel wenn der Hund nur aus dem Auto springt. Gelernt ist halt gelernt...aber wehe, wir haben mal zufällig keinen Hund dabei!

Die meiste Zeit jedoch sind unsere Hunde ganz „normale“ Familienhunde. Sie begleiten uns auch bei den täglichen Ausritten mit den Trainingspferden.

Wer sich näher über uns und unsere Hunde informieren möchte, ist eingeladen, auf unserer Homepage vorbeizuschauen: www.lz-westerntraining.de

Viele Grüße aus Bayern

Sandra Zilch

Anmerkung:

Seit 2002 besteht der zweite ASCA (=Australian Shepherd Club Of America) angegliederte Club in Europa. Der WEWASC (Western Europe Working Australian Shepherd Club, www.wewasc.com ) hat zur Aufgabe, vor allem das hüten mit dem Aussie bei uns beliebter und populärer zu machen und den Aussie-Besitzern Möglichkeiten in dieser Richtung zu eröffnen. So wird es beispielsweise in diesem Jahr noch einige Hüteseminare und auch die ersten europäischen ASCA genehmigten Hüte Trials geben (in Schweden, Holland und Deutschland).

Außerdem ist ebenfalls 2002 die AGHAS (Arbeitsgemeinschaft Herding Australian Shepherds) gegründet worden. Auf ihrer Webseite www.herding-aussies.com kann man viele interessante Artikel, Geschichten und Infos rund um den Gebrauch des Aussie als Hütehund, sowie viele Links finden.