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Der Australian Shepherd
Von Sandra Zilch
(Der Bayrische Schafhalter. Mitteilungsblatt des Landesverbandes Bayrischer Schafhalter e.V., Nr. 2/2004)

Der Australian Shepherd, oder Aussie, wie er auch genannt wird, ist ein Hund, der in den USA entstanden ist.

Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts boomte in Amerika die Schafzucht und es wurden Schafe aus Australien importiert. Mit ihnen kamen die Schäfer und ihre Hunde. Aber auch aus anderen Teilen Europas immigrierten Schafzüchter und Farmer, die ihre Hunde mitbrachten. In einigen Teilen Europas existieren alte Hütehundeschläge, die manchmal das Aussehen von „altmodischen“ Aussies haben. Sie variieren zwar sehr stark in Größe, Farbe und Fellbeschaffenheit, aber immer wieder gibt es auch Blue Merle-farbene Hunde mit glattem, langem Fell und blauen Augen, die dem heutigen Aussie dieses Farbschlages sehr ähnlich sehen. Zwei dieser Hütehundeschläge sind zum Beispiel der „Pyrenean Shepherd“ oder der „Altdeutsche Hütehund“. Betrachtet man alte Fotos vom Ende des 19. Jahrhunderts, auf denen Farmer und Rancher mit ihren Hunden abgebildet sind, so erkennt man bereits den Typus des heutigen Aussie sehr deutlich.

Leider haben wir heute keine dokumentierte Geschichte dieser baskischen und anderen Hütehunde. Die Basken, eine der ethnischen Gruppen, die nach Amerika kamen, kannten beispielsweise keine geschriebene Sprache. Alles was über die Anfänge der Rasse bekannt ist, leitet sich aus mündlicher Überlieferung her. Dazu gehören unter anderem auch Legenden über diese Hunde.

Eine Überlieferung besagt, dass die Schäferhunde auch zum Schutz vor den Indianern gehalten wurden, und zwar wegen ihrer oftmals blauen Augen. Sie wurden bei den Indianern die “ghost-eyed ones“ genannt (die Hunde mit den Geisteraugen) und die Indianer ließen die Besitzer dieser „heiligen Hunde“ in Ruhe!

Um die Geschichte abzukürzen: im Jahre 1957 gründeten einige der frühen „Züchter“ den Australian Shepherd Club of America (ASCA). Registriert wurden die Hunde zunächst in der International English Shepherd Registry (IESR) (= National Stock Dog Registry). Seit 1971 werden die Hunde offiziell beim ASCA registriert. Seit 1996 ist die Rasse FCI anerkannt.

Der Australian Shepherd war ursprünglich ein harter, ausdauernder Arbeitshund, auf dessen Fähigkeiten die Rancher absolut angewiesen waren. Deshalb wurden nur die besten und intelligentesten Arbeitshunde miteinander verpaart.

Dass sich eine Rasse herausbildete, die vom Erscheinungsbild relativ einheitlich wurde, liegt, soweit man das nach heutigem Wissenstand sagen kann, an der genetischen Dominanz des Erbgutes der frühen Schäferhunde, die durch die Durchsetzung des Rassestandards in Bahnen gelenkt wurde.

Mit der Gründung des ASCA und der Etablierung eines Rassestandards, begann, wie bei allen Rassen, ein Prozess der Aufsplittung in Hunde, die vornehmlich nach Gesichtspunkten der äußeren Erscheinung (Fellfarbe, Fellstruktur, Körpermaße, Gang) und solche, die vor allem nach Gebrauchseigenschaftn gezüchtet wurden.

Der „Aussie“ war normalerweise leicht vom „Collie“ zu unterscheiden, da der amerikanische Rassestandard besagt, dass alle Hunde kupiert sein müssen. Mittlerweile ist dies ja bei uns verboten, sodass zunehmend „Aussies“ mit ganz unterschiedlichen Schwanzlängen zu sehen sind. Es kommt neben normal langem Schwanz auch der angeborene Stummelschwanz vor.

Ein weiterer, ins Auge springende Unterschied ist, dass es Aussies in vier verschiedenen Grundfarben gibt und die Augenfarbe braun, bernstein, blau oder gescheckt sein kann.

Und nun zum wichtigsten Unterschied: der „Border Collie“ ist seit vielen Jahrzehnten (Jahrhunderten?) speziell für die Arbeit an Schafen gezüchtet worden, wohingegen beim „Australian Shepherd“ schon früh eine Diversifizierung auf verschiedene Hütearbeit stattfand (und auf alle möglichen anderen Hundesportarten).

Der Aussie wird in Amerika auch „Champion Of Versatility“ (Champion der Vielseitigkeit) genannt. Er ist fähig Enten, Schafe und Rinder zu hüten und auch sonst alles was es so gibt.

Aussies arbeiten auch, anders als Border Collies, eher mit „loose eye“, d.h. sie starren nicht so intensiv. Sie arbeiten im allgemeinen mit sehr geringem Abstand von der Herde. Daß man die Tiere auch von größerer Distanz aus beherrschen kann, muß man dem Aussie in aller Regel erst beibringen.

(Quelle: „Working Style Aussies vs. Border Collies“ von Jeanne Weaver; „Aussie Times“, Jan/Feb 1993, S.68ff).

Ein Aussie, der wirklich hart mit störrischen Kühen umgehen kann, hat vielleicht nicht immer den elegantesten Stil, aber er ist effektiv. Abgesehen davon: die „Working Trial Champions“ (= WTCH = Titel, der an besonders erfolgreiche und vielseitig arbeitende Aussies in den USA vergeben wird) haben diesen Titel für ihre Arbeit an Enten, Schafen und Rindern erhalten. Sie sind also fähig, ihren Stil auf die zu arbeitenden Tiere einzustellen.


Früher gab es sogar Titel für die Arbeit an Schweinen und Gänsen.

Noch etwas ist ganz wichtig: der „Aussie“ muß nicht ständig arbeiten. Er kann auch relaxen. Ihm ist es vor allem wichtig mit „seinem“ Menschen zusammen zu sein. Er ist ein „Ein-Mann-Hund“. Aussies sind sehr territorial. Sie sind ruhig im Haus und man kann sie problemlos überall hin mitnehmen.

Im Rassestandard des „Australian Shepherd Club Of America“ steht unter Charakter:

Der Australian Shepherd ist intelligent, in erster Linie ein Arbeitshund mit starkem Hüte- und Schutztrieb. Er ist ein außergewöhnlicher Begleiter. Er ist vielseitig und leicht zu trainieren und erfüllt die ihm gestellten Aufgaben mit großem Stil und Enthusiasmus. Er ist Fremden gegenüber reserviert, zeigt jedoch keine Scheu. Obgleich er ein agressiver und authoritärer Arbeiter ist, ist Bösartigkeit gegenüber Menschen und Tieren nicht tolerabel.

Heute gibt es bereits sehr viele Aussie Züchter in Europa. Die wenigsten allerdings züchten sie für´s hüten!

Seit September 2002 gibt es den Western Europe Working Australian Shepherd Club (WEWASC). Es ist ein an den ASCA angegliederter Club (der zweite in Europa), der sich vornehmlich dem Hüten mit dem Aussie verschrieben hat. Es werden mehrmals im Jahr Hüteseminare und Hütetrials angeboten und organisiert.

Wer mehr Infos hierzu möchte, kann auf der Homepage des WEWASC, unter www.wewasc.com nachsehen.